Abnehmen geht auch ohne Hungern, wenn man Fett spart und dafür mehr Kohlenhydrate isst. Dazu: die zehn häufigsten Irrtümer rund ums Abnehmen.
Rund 70 000 übergewichtige Menschen, davon 85 Prozent Frauen, führten bislang im Rahmen der AOK-Aktion "Abnehmen mit Genuss" eine Woche lang ein Ernährungstagebuch. Darauf hin erhielten sie ihren persönlichen Abnehm-Fahrplan. Die Studie sollte herausfinden, welche Rolle das Fett beim Abnehmen spielt. Ergebnis: "Die mit dem größten Übergewicht aßen am meisten Fett und am wenigsten Kohlenhydrate - und waren sich dessen nicht bewusst", sagt Professor Volker Pudel, Ernährungspsychologe aus Göttingen und wissenschaftlicher Leiter der Studie. Wer mehr Kohlenhydrate aß, hatte weniger Übergewicht. Damit dürfte die Fettdiskussion ein für allemal beendet sein. Und hier die zehn häufigsten Irrtümer rund ums Abnehmen und was dahintersteckt.
Irrtum 1: Wer abnehmen will, darf kein Fett essen
Bloß nicht! Das wäre lebensgefährlich! Fett ist Bestandteil aller Zellmembranen, das Gehirn besteht sogar zu 70 Prozent aus Fett. Wer auf Dauer weniger als etwa 25 Gramm Fett am Tag isst - das entspricht insgesamt einem Esslöffel Öl und zwei Teelöffel Butter und je einer Scheibe Gouda und gekochtem Schinken -, dem fehlen wichtige fettlösliche Vitamine, der Hormonhaushalt gerät durcheinander und die Immunabwehr wird geschwächt. Zum Abnehmen nicht weniger als 30 Gramm Fett essen, zum Gewichthalten genügen dann 60 (Frauen) bis 80 Gramm (Männer).
Irrtum 2: Beim Abnehmen kommt es nur auf den Glyx an
Seit einigen Jahren kursiert eine neue "Wunderformel": der glykämische Index (Glyx). Einige Wissenschaftler empfehlen, süßes Obst, Weißbrot, aber auch Kartoffeln und Möhren zu meiden. Denn sie haben einen hohen Glyx, enthalten einen bestimmten Zucker, der schnell ins Blut übergeht. Das steigert die Insulinproduktion und soll die Fettverbrennung bremsen.
Damit das nicht passiert, soll man Lebensmittel mit niedrigem Glyx essen. Doch dass man allein auf Grund dieses Mechanismus zu- oder abnimmt, bezweifeln viele Fachleute. Falls doch jemand mit Hilfe der Glyx-Diät Gewicht verliert, kann das einen ganz einfachen Grund haben: Viele Lebensmittel mit hohem Glyx - zum Beispiel Fertiggerichte, Schokolade und Gebäck - enthalten nicht nur Zucker, sondern auch Fett. Wer diese Lebensmittel weglässt, nimmt ab, weil er Fett spart.
Irrtum 3: Je weniger man isst, desto schneller nimmt man ab
Vorsicht! Wer die Kalorienzufuhr zu stark drosselt, täuscht dem Organismus eine Hungersnot vor, und der Körper holt sich Energie aus Muskeleiweiß, nicht aber aus Fett. Folge: Man nimmt in den ersten zwei, drei Tagen tatsächlich viel ab, hat aber nur Wasser verloren. Der Stoffwechsel stellt sich auf die geringe Nahrungsmenge ein, und man müsste noch weniger essen, um weiter abzunehmen. Das schadet der Gesundheit.
So tritt beim längeren Fasten der totale Notstand ein: Der Körper stoppt bestimmte Funktionen (z.B. den Eisprung), um andere, lebensnotwendige am Laufen zu halten. Deshalb sind Crash-Diäten gefährlich und bringen langfristig nichts. Denn sobald man normale Portionen isst, nimmt man sehr schnell zu und wird häufig dicker als vorher!